Artikel aus der Nahezeitung v. 23.09.2015 (zum vergrößern anklicken)

Andreasbrunnen und Andreashof

Der Andreasbrunnen oder "Ennerschbure" liegt innerhalb des Vollmersbacher Flures zur Tiefensteiner Banngrenze hin.

Seinem Wasser hat man in früheren Zeiten immer heilende Wirkung zugeschrieben. Noch um 1880 kamen Heilungsuchende von denen Dankesgaben zur Buße niedergelegt wurden. Meistens drei weiße Dinge, ein Ei, ein Silbergeldstück und ein weißes Kinderhemdchen.

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Der erste Beleg über den "Underbure" bei Folemarisbach stammt aus dem Jahr 1276 aus der Abtei Tholey. Dieser "Underbure" wurde im Volksmund, da er im Ennerschberg (Unterstberg) gelegen war, "Ennerschbure" genannt. Diese Bezeichnung hat er über die Jahrhunderte hinweg bis heute behalten.

Erst um 1515 hört man nochmals vom "Endrisborn" in Verbindung mit dem Andreashof.

Es ist möglich, dass die Umwandlung des Namens wegen dem heilwirkenden Wasser in St. Endris (Heilender) St. Andreas vorgenommen wurde. Jedenfalls geht aus einem Pachtschreiben der Wild- und Rheingrafen von 1515 dieser Name hervor.

Ab 1700 hört man nichts mehr von einem Hof sondern nur noch von Hofländereien.

Aus einer urkundlichen Amtsrechnung der Grafen von Wildenburg von 1714 (Abschrift liegt bei Rektor Heidrich in Birkenfeld) werden die Hofländereien in Erbpacht vom Weierbacher Unterbrunn gegeben. Erster Pächter war Jakob Thees, später Johannes Schlenger. Letzter Pächter war Wilhelm Rieth aus Veitsrodt 1793.

1550 wird der Hof "Follmershusenbach" genannt. Die gesamten Ländereien des Hofes wurden in den Jahren 1803 bis 1804 von den Franzosen versteigert und gingen in den Besitz der Gemeinde Vollmersbach über. In den Jahren 1822 bis 1840 waren sie bereits von den 29 Gemeinsleuten in Pacht verteilt.

Im ersten Jahrhundert v. Chr. war das Gebiet zwischen Nahe und Maas von Treveroren bewohnt, die den Rhein schon früh überschritten und sich hier sesshaft gemacht hatten. Bis zur Zeit des Trusus - kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung - lebten sie trotz Anerkennung der römischen Herrschaft in völliger Unabhängigkeit. Sie waren der römischen Provinz "Obergermanien" zugeteilt. Nun konnte der römische Einfluss sich ungestört in unserer Heimat ausbreiten, die Grenzen wurden bis jenseits des Rheines ausgedehnt. Aus jener Zeit sind noch Teile eines großangelegten Straßennetzes, mit dem die Römer die eroberten Provinzen durchzogen, erhalten. Auch in der Nähe von Vollmersbach ist eine solche Straße verlaufen. Der davon noch heute benutzte Wegteil durch den Vollmersbacher Bann wird von den Bewohnern einfach die "Strohs" (die Straße) genannt und ihr damit eine Bedeutung zugelegt, die ihr tatsächlich anderthalb Jahrtausend zugekommen ist, als sie noch für die Einwohner die einzige Verbindungsstraße war, die zu den Nachbarorten und den großen Verkehrsstraßen führte. Im vierten Jahrhundert drangen die Alemannen in die römischen Gebietsteile links des Rheines und fassten wohl auch in unserer Gegend festen Fuß. Bei der im Verduner Vertrag im Jahr 843 vorgenommenen Teilung des fränkischen Reiches fielen die drei linksrheinischen Gaue, der Worms-, Speyer- und Nahegau zum Erbteil Ludwig des Deutschen. Die in der Nähe gelegenen Grenzorte des Nahegaus waren Hammerstein, Enzweiler, Idar-Algenrodt, Mackenrodt, Hettenrodt und Kirschweiler. Die Grenze ging dann weiter zur Idarquelle und zum Hochwald. Von dieser Zeit an kann man Vollmersbach, mit kurzer Unterbrechung im dreizehnten Jahrhundert, fortlaufend in geschichtlichen Urkunden verfolgen.

Vollmersbach war schon sehr früh besiedelt. Den Ort kann man zu den ältesten Siedelungsstätten im Kreis Birkenfeld zählen. In einer Urkunde aus dem Jahr 990 wird Vollmersbach neben dem Maximin´schen Siemora (Simmern u. Dhaun) Folemarisbach genannt. Ebenso wurde der Ort als zu St. Maximin gehörende in einer aus dem Jahre 1044 stammenden Urkunde mit dem Namen Folemaresbach erwähnt. Wie sich dieser Name in Vollmersbach verwandelt hatte, ist nicht überliefert. Ob diese Urkunden echt sind, oder zu den sog. Maximinschen Fälschungen gezählt werden müssen, ist noch nicht endgültig geklärt. Wie es auch sei, die Tatsache, dass ein Bach den Namen Vollmersbach trägt, setzt eigentlich voraus, dass der Ort in der Nähe oder direkt am Bach gelegen haben muss. Somit muss man den ältesten Teil des Ortes zum Bach hin suchen. Zur genauen Lagebestimmungen verhelfen auch die alten Flurnamen. Hier sind zwei Namen wichtig, "In der Hubstatt" und "Am Hofgarten". Ein weiterer Hofbezirk scheint sich im 14. Jahrhundert, zu Beginn der Zugehörigkeit zur Herrschaft Oberstein, im oberen Ortsteil entwickelt zu haben. Es ist dies der Bezirk vom "Gut Eigen" und "Hof zu Vollmersbach" auf den die noch bis 1822 erhaltene Flurbezeichnung "Am Hofgarten" hinweist. Danach hätte der Hof bzw. das Hofgebäude auf dem jetzigen Dörn´schen Grundstück gestanden. Hier befand sich auch bis vor einigen Jahren das Stammhaus der heute weitverzweigten Familie Dreher, sowie die Zehntscheuer, die bis vor einigen Jahren jedenfalls als das älteste Gebäude in Vollmersbach war. Von diesem Punkt aus begann nach dem alles zerstörenden 30-jährigen Krieg der Wiederaufbau. Das alte Oberdorf bildete bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Mittelpunkt von Vollmersbach. Ein alter öffentlicher Brunnen, die erste Wasserleitung, eine Kelter sowie der an dieser Stelle im Jahre 1856 aufgestellte erste "springende Brunnen" befanden sich in diesem Ortsteil.

Aber nun weiter mit der Geschichte: mit Oberstein, das bis 1817 unter preussischer Verwaltung stand, kam Vollmersbach am 9. April 1817 als ein Teil des neugebildeten Fürstentums Birkenfeld zum Herzogtum Oldenburg. Vollmersbach, das politisch stets zu Oberstein gehörte, kam mit Errichtung der Stadtbürgermeisterei Oberstein im Jahre 1902 zur Bürgermeisterei Idar-Land. Diese Bürgermeisterei wurde durch die Verwaltungsreform der nationalistischen Regierung zu Oldenburg mit Wirkung ab 9. Oktober 1933 aufgehoben und mit dem gleichen Tage kam Vollmersbach zur Bürgermeisterei Herrstein. Unser Ort zählte im Jahre 1648 -11 Einwohner, 1679 ca. 40, 1751 ca. 90, 1815 ca. 152, 1832 ca. 218, 1845 ca. 244, 1855 ca 271 und 1933 ca. 442 Einwohner.


Nördlich von Idar-Oberstein, direkt an der Stadtgrenze am Vollmersbach gelegen. 902 urkundlich erwähnt, wahrscheinlich noch älter, ein reizvolles Dorf mit netten Menschen, am Rande des Hunsrück.

Ackerbau und Viehzucht waren schon früher überwiegend nur Nebenerwerb, denn seit den ersten bekannten Handwerkern der verschiedenen Schleifkünste von Edelsteinen tauchen Vollmersbacher Namen auf. Achatschalen, Dosen, Kelche, Kästchen, Ringsteine, nach dem 2. Weltkrieg auch Diamanten und technische Steine, waren der Haupterwerb der meisten Vollmersbacher als Schleifer und Händler gleichermaßen. Die Graveurkunst der Vollmersbacher war in Fachkreisen berühmt. Die schwierigsten kunsthandwerklichen Arbeiten wurden und werden mit viel Geschick für die Kaufkräftigen in aller Welt hergestellt.

Heute betreiben erfolgreich einige Betrieb mit leistungsfähigen Maschinen und geschickten Facharbeitern die Herstellung und Bearbeitung von technischen Steinen für die verschiedensten Belange der Industrie. Das heutige Dorf ist geprägt von vielen schmucken Häusern, Neubauten und mit viel Aufwand restaurierten Altbauten.

 

In der herrlichen Tal- und Hanglage wohnt es sich erholsam, die zentrale Lage zur Stadt Idar-Oberstein ist ein attraktiver Wohnplatz. Eine freiwillige Feuerwehr, ein Gesangverein, ein Turnverein und die Vorfußsänger bestimmen die Freizeit und die gesellschaftlichen Anlässe. Vollmersbach hat nach einem kräftigen Zwischenspurt den Anschluss an das Jahr 2000 gut erreicht, hat Perspektiven und Lebensqualität.

Jüngste Unternehmungen hatten sich zum Ziel gesetzt für all die netten Gelegenheiten der heutigen und zukünftigen Freizeitgestaltung der Dorfgemeinschaft ein würdiges, wirkungsvolles und modernen Erfordernissen angepasstes Gemeindehaus oder besser Bürgerhaus im Ortsmittelpunkt des Ortsgeschehens zu schaffen.

Mit der Eröffnung des neuen Bürgerhauses 1987 wurde den Einwohnern von Vollmersbach erstmals Gelegenheit geboten, kulturellen und sportlichen Interessen in eigenen Räumen nachzugehen. Die Inngestaltung des Bürgerhauses ist sehr gut eingeteilt. Außer einer modernen Sporthalle befindet sich dort auch eine Gaststätte mit dem schönen Namen "Zum Vorfuß".